Schnipo Schranke

”rare”

Freitag, 29. September 2017
Beginnt um 20:00 Uhr. Einlass um 19:00 Uhr.
Konzert. Im Saal. Unbestuhlt.
16 € zzgl. Gebühren im Vorverkauf. 20 € an der Abendkasse.
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Wir haben wirklich Glück mit Schnipo Schranke. Dass in einer Zeit, in der alles
Gestörte, Neurotische entweder zu riesigen Funmonstern aufgeblasen oder unter
den Teppich gekehrt wird, plötzlich diese beiden Songwriterinnen um die Ecke
gekommen sind. Als vor anderthalb Jahren das Debüt von Daniela Reis und Fritzi
Ernst alias Schnipo Schranke herauskam, war man irgendwie irritiert bis
begeistert: Dass diese beiden jungen Frauen so derbe Sachen zu so
entzückenden Melodien singen. Sie haben nicht locker gelassen und weiter
getextet und komponiert, immer weiter: Auch um klar zu machen, dass die
wirklich derben Sachen nichts mit "Pimmel" oder "Pisse" singen zu tun haben.
Sondern mit Liebe, Tod, Vergangenheit, zum Beispiel.

Sie können sich die Augen und die Ohren reiben: Wie schaffen die das wohl?
Daniela Reis und Fritzi Ernst, haben im ersten Jahr ihrer Starwerdung so viel um
die Ohren gehabt: Ihr Debütalbum haben sie in die Welt getragen, ständig
Konzerte gespielt, Termine, Termine. Und währenddessen haben sie noch ein
solches zweites Album produziert.

"Stars hängen an der Wand / Ich hänge in den Seilen" heißt es in dem Song
"Stars". Das zweite Album hätte auch "Sick" heißen können, denn Schnipo
Schranke sind voll gestört und darin sehr ehrlich. Sie hängen oft in den Seilen,
sind aber total fleißig (sie würden sagen: streberhaft). Und diese Mischung ist
selten, um nicht zu sagen: Rare. Außerdem kann rare noch blutig heißen und
indifferent, dünn, blau, halbgar, rar, kaum und nicht zuletzt eigentümlich.

Sie haben sich das DIY-Konzept nicht ausreden lassen. Keine Streicher, keine
Gastmusiker, die ihre tollen Melodien umspielen. Wieder hat Ted Gaier (Die
Goldenen Zitronen) das Album produziert, diesmal sind die drei nach Reichenow
gefahren, in die ehemalige Scheune einer LPG des kommunistischen
Deutschlands. "Wir wussten, was wir anders und besser machen wollten", sagt
Daniela Reis. Ausgefuchster ist es geworden, rhythmisch und soundmäßig
interessanter, düsterer, wilder.

"Singer/Songwriter" im deutschen Kontext, da denken wir alle an Männer mit
Bart und Hut, die Stadien füllen, in dem sie sentimental von Heimat oder Früher
singen. Aber Früher und Heimat sind nicht sentimental und Liebe ist nicht dieses
Schmusegefühl. Heimat sind auch die Schatten der Vergangenheit und Liebe ist
auch einsam auf dem Baum sitzen und warten, bis du endlich mal lüftest.
Fassungslos dem Tod ins Gesicht schauen. Von all dem handeln die Songs von
Schnipo Schranke. Dass man durch Pipi, Sperma und Eiter reiten muss, es geht
um's Sich-Aushalten-Müssen, ums Eingeliefertwerden, um Dope, auf Tour sein,
down sein, eine von den Geilen sein und dabei ist "Rare" auch immer wieder
schrecklich lustig. Allzeit likebereit, das höchste der Gefuhle. Danke Schnipo.


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